Jetzt bin ich seit fast einer Woche in Irland und habe bereit viele neue Eindruecke und Erfahrungen gemacht, von denen allerdings nicht alle positiv sind.
Aber alles schoen nach der Reihe...
Landschaftlich ist Irland genau so, wie ich mir das vorgestellt habe: gruene Wiesen, flache Ebenen, alte Mauern, Schafe, Kuehe und Pferde.
Die Luft ist viel milder als in Oesterreich und riecht auch sehr nach Meer. Das Wetter ist ueberraschender Weise ziemlich gut, blauer Himmel, Wolken, Wind und leichter Nieselregen waechseln sich ab, wobei das schoene Wetter ueberwiegt.
Mit meiner Gastfamilie habe ich wirklich grosses Glueck gehabt, meine Gasteltern sind sehr nett und auch mit meinen Gastgeschwistern verstehe ich mich gut.
Es ist auch noch eine Spanierin in der Familie, und auch sie ist ganz okay, wenn auch ein wenig eigen.
Glueklicherweise verstehe ich die Leute hier, sowohl meine Gastfamilie als auch meine Lehrer in der Schule. Bei den Teens in meinem Alter hingegen bekomme ich allerding nur die Haelfte mit von dem, was sie reden. Die Kinder reden untereinander wahnsinnig schnell und mit einem sonderbaren Dialekt. "But" zum Beispiel sprechen sie wie"busch" aus.
Ich gehe in eine sehr kleine Schule, aber das aendert nichts an der Tatsache, dass ich mich noch nicht auskenne. Mein Orientierungssinn ist naemlich von jeher ziemlich unterentwickelt :)
In der Schule muessen alle Maedchen (ich gehe in eine reine Maedchenschule) eine Schuluniform tragen, wobei sie zwischen Rock und Hose waehlen koennen. Ich habe mich, weil das viel praktischer und bequemer ist, fuer die graue Hose entschieden.
In meiner Klasse sind drei Maedchen aus Deutschland, was aber nicht unbedingt ein Vorteil ist. Die Irinnen sind im Allgemeinen nicht so offen und schliessen nicht leicht Freundschaften. Es ist nicht leicht, Zugang zu ihnen zu finden, obwohl sie alle sehr nett und sympathisch sind (soweit ich das beurteilen kann). Die Deutschen reden, verstaendlicherweise, Deutsch untereinander und das tragt natuerlich einen grossen Teil dazu bei, dass die Irinnen und die Deutschen sich nicht sehr nahe kommen. ich finde das sehr schade, weil ich jetzt naemlich gezwungen bin, zwischen den Deutschen und den Irinnen zu waehlen, denn wenn ich immer mit den Deutschen reden, werde ich die Irinnen nie naeher kennenlernen und umgekehrt.
Der erste Monat ist der schwierigste, sagen alle Auslandsschuelerinnen einstimmig. Diesen Monat moechten sie nicht noch einmal durchmachen muessen.
Nun erfahre ich an meinem eigenen Leib, was sie damit meinen und wie recht sie haben.
Bis man sich eingewoehnt hat und das Leben zum Alltag wird, das dauernd seine Zeit.
Ich fuehle micht oft sehr einsam, ganz allein auf der Welt.
Ich bin es gewoehnt, immer jemanden um mich zu haben, sei es die beste Freundin oder ein Elternteil oder mein Bruder oder sonstjemand.
Hier bin ich ganz auf mich gestellt, hier habe ich niemanden der mir sagt, da geht's lang oder so geht das oder Aehnliches.
Manchmal denke ich "Ja, das war wirklich die richtige Entscheidung, Irland ist toll!" und manchmal denke ich einfach nur "Ich will heim!"
Dann geht's mir ziemlich mies und ich fuehle mich so schrecklich allein und dann denke ich, ich halte das nicht mehr fuenf Monate durch. Fuenf Monate ohne meine Freunde, ohne meine Familie.
Fuenf Monate in denen ich niemanden habe, mit dem ich ueber meine Gefuehle sprechen kann, der fuer mich da ist wenn ich allein bin, der mich troestet wenn ich traurig bin.
Niemanden, mit dem ich shoppen gehen kann, der mit mir ins Kino geht, mit dem ich reden kann, bei dem einfach nur ich sein kann.
Natuerlich ist das jetzt ziemliche Schwarzmalerei, aber manchmal fuehle ich mich genauso.
Ich weiss natuerlich, dass ich nicht erwarten kann, nach nicht einmal einer Woche schon eine neue beste Freundin zu haben. Und trotdem faellt es mir oft sehr schwer, das zu akzeptieren und mir und den Leuten um mich herum Zeit zu lassen...
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